Mediengestalter Digital und Print - Gestaltung und Technik IBB Institut für berufliche Bildung AG

Virtuelle Akademie? Finger weg!

Jens, 10.10.2016

Mediengestalter Digital und Print - Gestaltung und Technik

Bewertung des Autors
1.0 / 5
  • Kursinhalte 1.0 / 5
  • Schulungsmaterial 1.0 / 5
  • Dozenten 1.0 / 5
  • Praxisnähe 1.0 / 5
  • Veranstaltungsort 1.0 / 5
  • Preis-/Leistung 1.0 / 5

Das Institut für Berufliche Bildung bietet hauptsächlich Umschulungen an. In 2 Jahren kann man so einen IHK-Abschluss erreichen. Leider ist der Weg bis dahin mehr als frustrierend.

1. Der Unterricht findet ausschließlich online statt. Anders als auf der Homepage des IBB beworben, muss man dennoch am Schulungsstandort anwesend sein. Allerdings handhaben das die Standorte oft sehr unterschiedlich. An vielen anderen Standorten darf man woanders sehr wohl dem Unterricht von zu Hause folgen. Angeblich hängt das von der örtlichen IHK und der örtlichen Arbeitsagentur ab. Der schöne Schein trügt also. Anwesenheitspflicht besteht Mo-Fr 8-16 Uhr. Diese 8 Stunden sind aber oft nicht mal zu 50% mit Unterricht ausgefüllt. Die restliche Zeit wird "Praxis" genannt. Hier bleibt dem Schüler offen, was er tut. In der Ausbildung zum Mediengestalter mag das Sinn machen, da der Arbeitsplatz dieses Berufsbildes sowieso hauptsächlich der PC ist. Wenn man dann wenigstens auch genug Aufgaben bekommen würde. Am Ende aber muss man die Zeit am Standort totschlagen. Früher gehen oder später kommen ist nur mit wichtigen Gründen möglich. Hierzu müssen allerdings immer schriftliche Nachweise vorliegen, was man in der Zeit denn so wichtiges zu tun hatte. Die Anwesenheit wird morgens und nachmittags per Unterschrift kontrolliert. Auch weisen die Standortleiter die Umschüler immer wieder darauf hin, falls die Zeiten nicht penibelst eingehalten werden. Oft führt das dann zu Gesprächen mit der Arbeitsagentur und im schlimmsten (oder vielleicht sogar besten?) Fall zum Rauschmiss. Als Mittagspause gibt es nur das, was der Gesetzgeber mindestens vorschreibt: eine halbe Stunde. Dieses Sparprogramm zieht durch das ganze IBB und seine Umschulung.

Der Unterricht selber ist dann oft auch nicht besser. Die Kompetenz der Dozenten ist sehr unterschiedlich. Es gibt durchaus einige, die sich in ihrem Fach auskennen. Bei den meisten fragt man sich aber schon, was diese Leute dazu berechtigt als Dozent zu arbeiten. Die meisten Dozenten haben selber keine oder nur eine mangelhafte Berufsausbildung hinter sich, teilweise greift man auch auf ehemalige Umschüler zurück, die offenbar den Weg ins richtige Arbeitsleben nicht mehr gefunden haben. Diese dürfen dann z.B. einen Schulungsstandort leiten. Andere haben ihre Ausbildung vor vielen Jahrzehnten gemacht und vermitteln ihr archaisches Wissen dann genauso langweilig und unmotiviert. Statt einer ordentlichen Präsentation schaut man einem Dozenten stundenlang zu wie er in Paint versucht etwas grafisch anschaulich zu erklären (außer Krickel-Krackel kommt dabei aber nichts herum). Andere unterhalten sich mit den Umschülern über Erlebnisse aus ihrem Privatleben. Eine andere Dozentin glaubt, sie hat die Weißheit mit Löffeln gefressen und wäre Professorin an der Universität. Doch hinter dem geschwollenen Gerede steckt null Inhalt. Die Lebensläufe der Dozenten lesen sich meist holprig, keiner hat eine pädagogische Ausbildung.

Hinzu kommt die miese Technik. Unterricht fällt oft aus, da der Dozent sich nicht einloggen kann oder man seinen Bildschirm nicht sehen kann. Ersatz gibts oft keinen. Auch Umschüler haben an den Standorten oft Internetprobleme. Die Software an sich, über die der Unterricht stattfindet, läuft mehr recht als schlecht. Häufige Abstürze und Fehlermeldungen und ein völlig inkompetentes und überfordertes IT-Team in der Zentrale tun ihr übriges.

Und schließlich sitzt man ja nicht alleine im Raum, sondern mit vielen anderen Umschülern, die alle einem anderen Unterricht folgen sollen. Die Geräuschkulisse wird nur noch durch die Autos und Sirenen vor dem zentral gelegenen Schulungsstandort übertönt. Glück hat der, der an einem kleineren Standort sitzen darf.

Die Folge: Man kann dem Unterricht oft nicht folgen und irgendwann will man es vor lauter Frustration auch nicht mehr. Immer wieder fragt man sich: Kommen dann auch noch prüfungsrelevante Inhalte? Lohnt es sich mal wieder zuzuhören? Meistens wird man enttäuscht.

2. Technik & Ausstattung

Die Standorte sind einfach gehalten. Billige Ikea-Möbel und lieblose Plastik-Pflanzen sorgen nicht gerade für Wohlfühl-Atmosphäre. Schreibtische und Monitore sind nicht höhenverstellbar. Die Stühle sind aus dem Baumarkt und wenig ergonomisch, sie haben oft kaum Verstellmöglichkeiten und keine Armlehnen. Rückenschmerzen sind vorprogrammiert. Wer Probleme mit dem Rücken hat, der soll sich doch übers Amt Stuhl und Tisch besorgen. Oder man nimmt sich dann aus lauter Verzweiflung seinen Stuhl von zu Hause mit. Bei einem Umschulungspreis von knapp 25 000 € ein Armutszeugnis.

Jeder Arbeitsplatz hat seinen eigenen Rechner, der beim Wechsel an einen anderen Schreibtisch abgebaut werden muss. Die Rechner sind ausreichend schnell. Als Betriebssystem wird Windows 7 genutzt. Mac gibt es nicht. Das Headset, das man den ganzen Tag auf dem Kopf tragen muss, ist ebenfalls die Billig-Ausführung. Wem dann nach 8 Stunden der Kopf wehtut, der nimmt sich dann auch hier sein Headset von zu Hause mit. Dem Mediengestalter stehen immerhin 2 Monitore zur Verfügung, wenn auch die Low-Cost-Version. Die neueste Software sucht man vergebens. Statt der Adobe CC steht einem nur die CS6 zur Verfügung. Man hat keinerlei Administrationsrechte im Betriebssystem. Für jedes Update muss ein IT-ler gerufen werden. Als angehender Designer kann man nicht mal neue Schriftarten installieren. Auch das Internet ist stark einegschränkt. Ein Filter filtert nicht nur die für den Beruf weniger relevanten Seiten aus, auch teilweise nützliche Webseiten sind gesperrt. Ein Arbeiten ist hier oft unmöglich. Lernmaterialen sind oft nicht vorhanden oder veraltet. Bücher dürfen nicht mit nach Hause genommen werden. Ein Lernen am Standort durch die Bedingungen ist oft unmöglich. Hier wäre es sinnvoll sich eine Sondererlaubnis für den Unterricht von zu Hause bei der Arbeitsagentur einzuholen.

3. Umgang miteinander

Fachliche Beratung vor Ort gibts nicht. Ab und an lässt sich mal ein Fachdozent am Standort blicken, aber meistens ist man auf sich alleine gestellt. Die Mitarbeiter vor Ort sind größtenteils nett und versuchen zu helfen. Allerdings werden diese selber augenscheinlich oft alleine gelassen und wirken hilflos. Sie sind die Ausführenden eines sinnlosen Kontrollmarathons. Anwesenheitspflicht scheint wichtiger zu sein als tatsächlich etwas zu lernen.

Kritik wird oft nicht zugelassen, abgewiegelt oder einfach ignoriert. "Das war schon immer so" oder "das ist eben einfach so" sind beliebte Ausreden. Man hat oft das Gefühl, man ist nicht viel wert und muss sich selber helfen.

Fazit: Wer ohne Vorkenntnisse in eine solche Umschulung startet, wird wohl so seine Probleme haben. Wer schon viel weiß, wird sich langweilen. Man wird schnell frustriert sein. Trotz der 25 000 €, die die Agentur für Arbeit an das IBB bezahlen muss, wird ein rigoroses Sparprogramm gefahren. Und das merkt man an allen Ecken und Enden: Austattung des Arbeitsplatzes, Software, Dozenten, Lernmaterialien, usw. Und wie wirkt das für den Umschüler? Ganz klar: Er hat das Gefühl nur wenig wert zu sein. Einem Arbeitslosen sollte man vielleicht eher andere Gefühle vermitteln. Man sollte ihn motivieren, ihm zeigen, dass Lernen Spaß machen kann und ihn v.a. am Ende auch etwas bringt. Und zwar nicht nur einen IHK-Abschluss. Aber man wird allein gelassen. Wer nicht das nötige Selbstvertrauen in sich, ein solides Grundwissen und eine gute Portion Eigenmotivation mitbringt, geht hier unter. Und selbst der motivierteste Schüler wird am Ende aus lauter Frustration zum Unterrichtsschwänzer.

Gerne möchte man in seinem Lebenslauf verschweigen, wo man eine Ausbildung nachgeholt hat. Aber letztlich kennt wohl in der Branche sowieso keiner diese Schule. Das ist vielleicht auch besser so. Noch besser ist es: Machen Sie Ihre Ausbildung einfach woanders. Das erspart Ihnen viele Nerven.

Pro: nichts

Kontra: Alles

Jens (31-35)

Karrierestufe: mit Berufserfahrung

Mediengestalter Digital und Print - Gestaltung und Technik

Abschluss: Ja

Studienbeginn: 2015

Weiterempfehlung: Nein

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